Die Dissidenten Robert Havemann und Rudolf Bahro waren in der DDR die profiliertesten systemimmanenten Kritiker und wurden von der SED ausgegrenzt und verfolgt. Wie sollte ihren Vorstellungen nach die DDR schrittweise demokratisiert werden und nach einem erhofften "Berliner Frühling" ein "menschlichem Antlitz" erhalten? Welche ihrer sozialen und ökologischen Ideen, die sie in "Die Alternative" (Bahro) und "Morgen" (Havemann) entwickelten, haben noch Aktualitätswert? Über eine Senkung der Lebens-Arbeitszeit und Universalbildung (Havemann) oder ökologische Ganzheitlichkeit (Bahro) wird in der heutigen politischen Arena zumindest heftig gestritten.

In der SED-Diktatur gab es keine öffentliche Debatte. Havemann verlor durch seine Vorlesungen "Dialektik ohne Dogma" 1963/64 die Anstellung an der Humboldt-Universität und wurde aus der SED ausgeschlossen. Zwischen 1976-79 wurde er wegen seiner zahlreichen kritischen Wortmeldungen in Grünheide unter Hausarrest gestellt und veröffentlichte zuletzt seinen utopischen Roman "Morgen. Die Industriegesellschaft am Scheideweg", der weitgehende politische Forderungen und eine elaborierte ökologischen Sozialutopie enthält. Bahro arbeitete etliche Jahre nach Feierabend an seinem Buch "Die Alternative". Als es 1977 in der Bundesrepublik veröffentlicht wird, wird er inhaftiert und 1979 wegen internationaler Proteste in die Bundesrepublik ausgebürgert. Hier engagierte er sich bis 1985 bei den Grünen und schrieb sein zweites Hauptwerk "Logik der Rettung".

Der Politologe Ferst hat sich mit den ökologischen Sozialutopie intensiv beschäftigt. Er besuchte von 1990 bis 1997 die Vorlesungsreihe "Sozialökologie" an Humboldt-Universität, die von Rudolf Bahro initiiert worden war. Ferst beschäftigte sich auch mit dem Dialog, den die beiden kommunistischen Dissidenten über ihre in der DDR verbotenen Publikationen führten. In seiner Analyse betont er die Aktualität einer emanzipatorischeren Gesellschaft.

Der Referent Marko Ferst, Jg. 1970, wuchs in Ostberlin auf und ist seit 2004 Politikwissenschaftler (Studium an der FU Berlin). 1994 gründete er im linkspolitischen Spektrum die Ökologische Plattform. Früher arbeitete er als Tischler/Bilderrahmer. Seit 2005 ist er schwerbeschädigt durch einen Ein-Euro-Job. Er lebt in Gosen/Brandenburg und veröffentlichte neben politischen Abhandlungen auch Gedichte, was ihm 2006 den deutsch-polnischer Literaturpreis eintrug.

Weitere Informationen über den Referenten: http://www.lyrikwelt.de/autoren/ferst.htm