Die These vom Ende der Vollbeschäftigung macht seit Jahren die Runde. Spätestens seit den Hartz-Reformen werden die Stimmen der Skeptiker lauter, die nicht mehr daran glauben, dass alle BürgerInnen in Erwerbsarbeit kommen können.
Wolfgang Engler dazu in einem taz-Interview 2002: "Ich sehe in der Arbeit nicht die Erfüllung des Menschen. Die Fixierung auf die Arbeit ist historisch eher neu - sie kann auch wieder verschwinden. [...] Vielleicht entwickeln Jüngere ja Pionier- und Experimentiergeist für ein Dasein jenseits der Arbeitswelt. Ich weiß nicht, ob es solche neuen biografischen Muster geben wird. Aber es ist möglich. Dafür muss der arbeitende Teil der Gesellschaft allerdings aufhören, dem arbeitslosen Teil moralische Vorhaltungen zu machen und das Arbeitslosendasein möglichst unerfreulich zu gestalten."
Wie steht es um die politische Teilhabe der "überflüssigen Menschen"?
Dies sind Fragen, die mit dem Autor diskutiert werden können!
Arbeiten, Handeln, Tätigsein - Engler wirbt in seinem Buch zunächst für ein pragmatisches Selbst-und-für-sich-tätig-sein und eine damit verbundene neue Bildungsidee: "Dem eigenen Leben Sinn und Bewandtnis zu vermitteln, wenn der Absprung ins Berufsleben oder in weiterführende Ausbildungsprozesse mißlingt, wird zur ersten Überlebenstechnik der Zukunft, ist es bereits gegenwärtig für unabsehbar viele Menschen."

Der Soziologe Wolfgang Engler, geboren 1952 in Dresden, studierte in Ostberlin Philosophie; arbeitete an der Humboldt-Universität und der DDR-Akademie der Wissenschaften. Seit 1980 lehrt er an der Schauspielschule "Ernst Busch" in Berlin, deren Rektor er seit 2005 ist.
Nach 1989 publizierte er zahlreiche Studien über Lebensformen in Ost und West; kritische Analysen über die Demokratie sowie den Wandel des Politischen und der Öffentlichkeit in den modernen Industriegesellschaften.

Bücher/ Veröffentlichungen:
Die zivilisatorische Lücke. Versuche über den Staatssozialismus.
Die ungewollte Moderne. Ost- West- Passagen.
Überflüssige Menschen oder Kurzer Lehrgang der sozialen Frage. In: Sklaven, Heft 28-31, Berlin 1996.
Die Ostdeutschen. Kunde von einem verlorenen Land, Weimar/ Berlin 1999.
Die Ostdeutschen als Avantgarde, Berlin 2002.
Der nächste Schritt - ein neues Projekt für Deutschland. In: Tanja Busse/ Tobias Dürr: Das neue Deutschland. Die Zukunft als Chance, Berlin 2003.
Bürger, ohne Arbeit. Für eine radikale Neugestaltung der Gesellschaft, Berlin 2005.
Diverse Artikel zur Erwerbsarbeitsgesellschaft u.a. in Berliner Zeitung, Süddeutsche Zeitung, Blätter für deutsche und internationale Politik.